Erstmals im Rahmen der Hamburger Fintech Week 2019 als Event zur Vernetzung der Banking- und Fintech-Branche über Grenzen hinweg etabliert, fand die erste Building Bridges Veranstaltung des Jahres 2021 am 08. Februar aus bekannten Gründen als digitales Event statt.

Da seit dem November 2019 bereits 15 Monate vergangen sind, war es uns ein Anliegen, noch einmal der schwedischen Fintech Szene eine Bühne zu bieten, um zu sehen, was sich seitdem alles getan hat. Und es hat sich tatsächlich eine Menge getan, und dies trotz der derzeit für alle deutlich erschwerten Umstände.

Zu Beginn der Veranstaltung haben wir mit Anders Norlin vom schwedischen Fintech Hub Findec (www.findec.co) sowie Jan Korte vom Finanzplatz Hamburg (https://finanzplatz-hamburg.com/de/) über die Veränderungen seit 2019 gesprochen. Es sei spürbar, so beide einhellig, dass schwedische Fintechs Deutschland als wichtigen Auslandsmarkt für sich entdeckt hätten. Dies gelte nicht nur für die großen Player wie Klarna, Trustly oder Tink, sondern generell. Man sehe derzeit einige Firmen, die ihre Fühler nach Deutschland ausstreckten oder bereits konkrete Umsetzungspläne für einen Markteintritt parat hätten. Anders Norlin wies darauf hin, dass generell für schwedische Firmen der erste Schritt ins Ausland automatisch der in die anderen skandinavischen Märkte sei. Dann käme für viele direkt Deutschland und mit Abstrichen (Stichwort Brexit…) auch Großbritannien. Deutlich zum Ausdruck kommt dieser Trend auch in der Ankündigung, dass beide, Findec und der Finanzplatz Hamburg, derzeit gemeinsam die Ausgestaltung einer Partnerschaft erörtern. Eine wirklich gute Nachricht!

Direkt im Anschluss haben die drei schwedischen Fintechs (Markus Alin für Sharpfin / https://www.sharpfin.com/, Fabian Grapengiesser für StockRepublic / https://www.stockrepublic.io/) und Anders Martensson für Vilja Solutions/ https://viljasolutions.com/) genau das bestätigt, was vorab gesagt wurde … Swedish Companies setting sail for Germany! Die Details zu diesen 3 Fintechs sowie deren Ansatz für einen Markteintritt in Deutschland sind auf https://www.buildingbridges.hamburg/ abrufbar.

Es lässt sich unisono für alle drei zusammenfassen, dass die Kenntnis der deutschen Besonderheiten (z.B. KYC, Datenschutz, Währung) und zudem ein lokales Netzwerk oder Support als essentiell für einen Markteintritt angesehen werden.

Als Zwischenfazit lässt sich konstatieren, dass Deutschland unter anderem aufgrund der Größe des Marktes für schwedische Fintechs ein lohnenswertes Ziel scheint; aber wie sieht es mit der umgekehrten Richtung aus? Bekannt ist, dass Mambu und Deposit Solutions in Schweden aktiv sind. Anders Norlin zeigt auf, warum sich für deutsche Unternehmen der Blick nach Schweden lohnt, selbst wenn der eigentliche Markt ggf. recht klein im Vergleich zum deutschen Heimatmarkt scheint. Aufgrund anderer Standortfaktoren wie dem gut entwickelten Fintech-Ökosytem und einem hohen Innovationsgrad bieten sich schwedische Fintechs für deutsche Unternehmen zum Beispiel als Partner für Produktentwicklung an. Erfahrungsgemäß benötigen schwedische Fintechs hier Partner an ihrer Seite, die z.B. die KYC Herausforderung oder Lizenzfragen für einen Marktstart in Deutschland lösen können.

Christoph Iwaniez, CFO von bitwala (https://www.bitwala.com/de/) ging nach einer kurzen Vorstellung des Unternehmens und des Krypto-Angebotes auf die Bedeutung von Kunden ein, die außerhalb von Deutschland ansässig sind. Derzeit seien ca. 40 % der Kunden nicht aus Deutschland; auch aus Schweden gebe es bereits eine Vielzahl von Kunden. Schweden werde auch künftig eine gewichtige Rolle bei den Planungen von bitwala spielen, derzeit stelle jedoch die Schwedische Krone noch eine Hürde für ein umfassendes bitwala Angebot an die schwedischen Kunden dar.

Sarah Kok vom Women in Fintech Network (https://www.wiftn.com/) übernahm die Moderation eines Panels, dass sich mit der Fragestellung auseinandersetzte, was der Schlüssel für den Eintritt in neue Märkte sei.

Staffan Wegdell von AddleshawGoddard (https://www.addleshawgoddard.com/en) wies darauf hin, dass Schweden und Deutsche im jeweils anderen Land immer wieder überrascht seien, dass es trotz der Nähe doch auch kulturelle und juristische/vertragliche Unterschiede gebe. Auf diese sollte man sich im Zuge der Anbahnung eines Markteintritts einlassen und vorbereiten.

Erik Bennerhult von Näktergal (https://naktergal.tech/) berichtete von früheren Erfahrungen speziell mit Deutschland. Es reiche nicht aus, sich ausschließlich mit den Kunden zu beschäftigen, vielmehr müsse man auch die teilweise heterogenen / regionalen Rahmenbedingungen kennen und berücksichtigen. Madeleine Af Ugglas berichtete, dass sich Vilja Solutions dafür entschieden habe, als ersten Schritt nach Deutschland einen lokalen „Navigator“ zu nutzen, um die Gegebenheiten vor Ort kennenzulernen, Gespräche zu führen und mögliche Hindernisse zu umgehen.

Christoph Iwaniez erläuterte, dass neben vom Euro abweichenden Währungen (SEK, GBP, CHF …) vor allem die nationalen KYC Gegebenheiten eine Herausforderung darstellten. Aktuell müssen bitwala Kunden, die nicht aus Deutschland kommen, trotzdem einen KYC-Prozess auf Basis der deutschen Vorgaben durchlaufen, die z.B. für die BankID-verwöhnten Schweden eine gewisse Komplexität mit sich bringen. Felix Magedanz vom Kieler Startup Hanko (www.hanko.io) berichtete von den aktuellen Herausforderungen; da Hanko´s Weg ganz eindeutig in Richtung Internationalisierung geht, muss man sich mit den regulatorischen Rahmenbedingungen in jedem neuen Land detailliert beschäftigen; einheitliche EU-Regeln hin oder her… Zudem fällt es Hanko am Standort Kiel nicht leicht, die erforderlichen neuen Kolleg*Innen zu finden und einzustellen.

Alle Teilnehmer des Panels waren sich einig, dass die Fintech Branche nach wie vor nicht ausreichend divers ist und dass vor allem Frauen weiterhin in einer deutlichen Minderheit in dieser Branche sind. Es fällt Unternehmen aber auch schwer, Frauen für vakante Positionen zu finden oder zu begeistern. Wir müssen demnach zum Einen intensiv dafür sorgen, dass Frauen endlich die gleichen Möglichkeiten in der Fintech (und Banking!) Branche gewährt werden, aber zum Anderen müssen wir dafür werben, dass unsere Branche für ALLE ein tolles berufliches Zuhause ist.

Die wesentlichen Erkenntnisse des BB21 Events konnten zum Abschluss wie folgt zusammengefasst werden:

  1. Brücken (symbolisch für internationale Kooperation) sind erforderlich; falls nicht vorhanden, müssen wir diese bauen.
  2. Unternehmen, die in einen neuen Markt eintreten wollen, müssen detailliert recherchieren, was sie auf der anderen Seite der Brücke erwartet.
  3. Idealerweise wartet auf der anderen Seite der Brücke jemand, der ein Unternehmen auf dem Weg in den neuen Markt „an die Hand“ nimmt.

Wir freuen uns auf weitere Events im Rahmen der Building Bridges Serie; wir arbeiten bereits an Ideen für neue Regionen, zu denen ein Brückenschlag und somit auch ein Event Sinn macht. Mehr und Konkretes dazu hoffentlich zeitnah …

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