Wenn man zumindest etwas positives über die aktuelle Corona Situation sagen kann, dann ist es die steigende Anzahl an kontaktlosen Zahlungen und deren steigende gesellschaftliche Akzeptanz. In den vergangenen 12 Monaten ist mobiles Bezahlen auch endlich in Deutschland zum Alltag geworden.

Vor einigen Jahren sah dies allerdings noch anders aus. Ich erinnere mich sehr gut daran, wie ich bereits 2016 mit meiner Vodafone App und der dort hinterlegten Kreditkarte kontaktlos am Point-of-Sale (POS) zahlen konnte. Zumindest versuchte ich es wieder und wieder. Die Akzeptanz, oder vielmehr der Bekanntheitsgrad des Bezahlens mit einem mobilen Endgerät, war allerdings in den Geschäften vor fünf Jahren sehr gering. Immer wieder brachten mich Kommentare wie „Sie können da nicht einfach Ihr Handy drauflegen“ oder „Ich brauche aber trotzdem noch eine Unterschrift von Ihnen“ zum Schmunzeln. Das gehört zum Glück mittlerweile der Vergangenheit an. Ob kontaktlos mit der Giro- und Kreditkarte oder mit dem Smartphone – angesichts der aktuellen Lage können sich beide Zahlungsmittel zum ersten Mal gegen das Bargeld behaupten.

Mobile Payment mit Smartphone

Ein Vorteil der Zahlung mit dem Smartphone im Vergleich zur Kartenzahlung kann zudem der Wegfall der PIN-Eingabe sein, wenn ein gewisser Betrag überschritten wird. Ganz bewusst nutze ich hier die Formulierung „kann“, denn ich habe die Erfahrung gemacht, dass dies nicht immer der Fall ist. Dies hängt sowohl von der genutzten App als auch von den jeweiligen Nutzereinstellungen ab.

Doch gehen wir noch mal einen Schritt zurück und starten bei den zum Einsatz kommenden Zahlungsdienstleistern und Applikationen. Bislang gibt es keinen einheitlichen Standard für mobiles Bezahlen in Deutschland. Der Nutzer kann zwischen verschiedenen Angeboten von Smartphone-Herstellern, Banken, Zahlungs- oder Bonusdiensten wie Payback auswählen. Am bekanntesten sind derzeit wohl die großen Player Google Pay, Apple Pay und Samsung Pay und auch der Smartphone-Hersteller Huawei ist mit Huawei Pay kürzlich in Deutschland an den Start gegangen. Im Banken- und Sparkassenumfeld sind unter anderem Deutsche Bank Mobile und die Sparkassen-app „Mobiles Bezahlen“ zu nennen. Um den Bezahlvorgang auszulösen, wird dabei die Near Field Communication(NFC)-Technik genutzt. Bei PaybackPay hingegen zahlt der Kunde einfach per QR-Code und sammelt dabei automatisch Bonuspunkte in seinem Konto.

In dem vorliegenden Artikel möchte ich mich jedoch bewusst auf zwei Bezahlmöglichkeiten fokussieren – nämlich auf Google Pay und Samsung Pay – welche ich in den letzten Wochen auf ihre Alltagstauglichkeit getestet habe.

Der Vorreiter Google Pay

Bereits im Juni 2018 startete Google seinen Bezahldienst in Deutschland, noch vor Apple Pay und mit großem zeitlichem Abstand zu Samsung Pay und Huawei Pay, die noch recht neu am deutschen Markt sind.

Zunächst konnte Google Pay nur genutzt werden, wenn man ein Girokonto oder eine Kreditkarte von einer der teilnehmenden Banken besaß. Für alle anderen Besitzer eines Android-Smartphones blieb der Zugang zu Google Pay verwehrt. Das änderte sich jedoch nur wenige Monate später als Google Pay seine Kooperation mit PayPal bekannt gab. Während vorher das kontaktlose Bezahlen nur auf einige wenige Banken beschränkt war, konnte nun praktisch jeder Nutzer mit einem PayPal-Account mit dem Smartphone bezahlen. Nur wenigen Schritte sind notwendig, um das PayPal-Konto mit Google Pay zu verknüpfen. Beim späteren Bezahlvorgang wird eine virtuelle Mastercard angesprochen, die bei der initialen Registrierung von PayPal erzeugt wurde.

Samsung Pay zieht nach

Im Herbst 2020 ging dann auch der Smartphone Hersteller Samsung mit einer eigenen Bezahl-App in Deutschland an den Start. Wer diesen Dienst nutzen möchte, braucht zwingend ein kompatibles Samsung Galaxy Smartphone oder eine Galaxy Watch.

Der Einrichtungsprozess unterscheidet sich deutlich zu dem von Google Pay. Wer sich für die Nutzung von Samsung Pay entscheidet, erhält hierdurch automatisch ein Konto bei der Solarisbank, welches im Rahmen des Anmeldeprozesses auf den Namen des jeweiligen Nutzers eröffnet wird. Nach erfolgreicher Registrierung erhält der Kunde eine virtuelle Visa-Debitcard der Solarisbank und kann mit dieser kontaktlos über die App bezahlen. Abgerechnet wird anschließend über ein externes Bankkonto, welches zwingend bei einer deutschen Bank geführt werden muss. Alternativ kann der Kunde zuvor Guthaben auf sein Kartenkonto bei Samsung Pay laden. Eine direkte Hinterlegung des eigenen Kontos bei Samsung Pay ist nicht möglich.

Der Praxis Test

Nach dem erfolgreichen Installieren und Einrichten beider Apps, war ich gespannt auf deren Nutzung im Alltag. Welche App würde mich wohl mehr überzeugen?

Zugegebenermaßen habe ich Google Pay in Kombination mit PayPal nicht erst kürzlich installiert, so wie die neue Samsung Pay App, sondern nutze dieses Bezahlverfahren bereits seit längerer Zeit. Daher konnte ich hier schon zuvor einige Erfahrungen sammeln. Das mobile Bezahlen am POS Terminal geht bei Google Pay spielend einfach. Vor dem Bezahlen an der Kasse muss lediglich das Smartphone entsperrt werden. Ob mit PIN, Muster oder einem biometrischen Verfahren, wie zum Beispiel der Gesichtserkennung oder dem Fingerabdruck, spielt hierbei keine Rolle. Entscheidend ist lediglich, dass das Smartphone entsperrt ist und somit eine sogenannte starke Kundenauthentifizierung vorliegt, bevor das Smartphone an das POS Terminal gehalten und die kontaktlose Zahlung mittels NFC-Technik ausgelöst wird. Während des Bezahlvorgangs öffnet sich die virtuelle Master-Debitkarte von PayPal automatisch auf dem Bildschirm und ein blau-weißes Häkchen informiert darüber, wenn der Bezahlvorgang erfolgreich abgeschlossen ist. Alle Einkäufe mittels Google Pay kann ich mir auch zu einem späteren Zeitpunkt in der dazugehörigen App ansehen. Zusätzlich erhalte ich von PayPal nach erfolgreicher Ausführung der Zahlung eine E-Mail mit den Transaktionsdetails.

 

Und wie schlägt sich Samsung Pay im Vergleich?

Mein erster Versuch mit Samsung Pay zu zahlen, verlief nicht gerade erfolgreich. Problem war hierbei nicht die App selbst, sondern das Problem saß in diesem Fall vor dem Handy. Da ich Google Pay als Standard Bezahlverfahren mittels per NFC ausgewählt hatte, zahlte ich natürlich automatisch damit und nicht wie gewünscht mit Samsung Pay. Dies war allerdings schnell in den Einstellungen geändert und einen Tag später startete ich meinen zweiten Versuch. An der Kasse entsperrte ich wie gewohnt mein Smartphone mittels Fingerabdruck und hielt es an das POS Terminal, um meinen Einkauf zu bezahlen. Doch überraschender Weise passierte zunächst einmal nichts. Das lag daran, dass anscheinend das mobile Bezahlen nicht automatisch dadurch ausgelöst wird, dass das Smartphone in die Nähe des Terminals gebracht wird, so wie dies bei Google Pay der Fall ist. Die virtuelle VISA Karte, die einem am unteren Bildschirmrand des Samsung-Smartphones in Form eines durchsichtigen Balkens angezeigt wird, muss aktiv nach oben geswipt und somit die App geöffnet werden. Doch auch dann kann noch nicht direkt bezahlt werden. In einem weiteren Schritt muss erneut eine PIN eingegeben oder der hinterlegte Fingerabdruck abgeglichen wird, bevor dann endlich die Zahlung kontaktlos mit dem Smartphone ausgeführt werden kann.

FAZIT

Als treuer Samsung-Nutzer zahlte ich einige Wochen lang mit der Samsung Pay App, doch schlussendlich konnte mich persönlich das Bezahlverfahren nicht überzeugen. Auch wenn ich keinerlei Probleme hatte, einen Bezahlungsvorgang mittels Samsung Pay erfolgreich zum Abschluss zu bringen, waren die zwei zusätzlichen Schritte währenddessen ausschlaggebend dafür, wieder zu Google Pay zurückzukehren. Für mich steht die einfache und schnelle Nutzung im Alltag an erster Stelle und in diesem Punkt hat die Lösung von Google die Nase vorne.

Nutzer, denen der Sicherheitsaspekt wichtiger ist, würden sich hingegen wahrscheinlich für Samsung Pay entscheiden, da hier das Bezahlen mittels App gezielt angestoßen und zusätzlich legimitiert werden muss. Zugegebenermaßen hat Samsung dies auch sehr komfortable gelöst, indem die Karte direkt unten am Bildschirmrand verankert ist und man nicht erst umständlich die App suchen und öffnen muss. Auch für Personen ohne PayPal Konto ist Samsung Pay eine tolle Alternative.

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