Wenn von innovativen Zahlungslösungen die Rede ist, denken viele zuerst an E-Commerce und optimierte Check-out-Prozesse. Kaum jemand verbindet dies spontan mit den Bezahlpunkten der öffentlichen Verwaltung. Doch gerade hier besteht zwischen digitalem Serviceportal und analogem Schalter ein hybrider Raum, der besondere Herausforderungen, aber auch enorme Chancen mit sich bringt.

Die Entwicklung im Onlinehandel zeigt, wohin die Reise geht: Wallet-Lösungen wie PayPal, Amazon Pay, Apple Pay und Google Pay haben beim Onlineeinkauf den klassischen Rechnungskauf längst überholt und sind zur dominierenden Bezahlform geworden. Dies zeigen aktuelle Studien eindeutig, zumindest für den privatwirtschaftlichen Handel. Beim Blick auf Studien für die Bezahlverfahren der öffentlichen Hand ergibt sich hingegen kein so eindeutiges Bild. Detaillierte Erhebungen zu den dort angebotenen Zahlungsmethoden sind rar. Stattdessen vermitteln die verfügbaren Bestandsaufnahmen den Eindruck, dass die generelle Digitalisierung in der öffentlichen Verwaltung uneinheitlich und oftmals schleppend verläuft. Der Fokus der Kommunen liegt häufig nicht auf dem Angebot moderner Bezahlverfahren, sondern in der digitalen Transformation grundlegender interner Prozesse.

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Dabei könnten gerade öffentliche Einrichtungen ein sichtbares Signal setzen: Fortschritt wird für Bürgerinnen und Bürger erst dann greifbar, wenn der Kontakt mit der Verwaltung unkompliziert, transparent und verlässlich funktioniert, insbesondere beim Bezahlen. Denn jede Person in Deutschland – ob alt oder jung, digital affin oder nicht, mit oder ohne Einschränkungen – kann eine Leistung der öffentlichen Hand in Anspruch nehmen und zur Kasse gebeten werden. Vom Strafzettel bis zum Beantragen eines Ausweises muss der Bezahlvorgang funktionieren, egal ob bei der Kfz-Zulassungsstelle oder im Bürgerbüro. Diese Prozesse müssen digital wie stationär einfach, barrierefrei und verlässlich sein. Ein reibungsloser Zahlungsverkehr ist nicht nur Service für die Bevölkerung, sondern zugleich wirtschaftliche Notwendigkeit für den Staat.

Umfeld

Das Anforderungsprofil für Zahlungen an die öffentliche Hand ist besonders komplex: Digitale wie physische Bezahlpunkte müssen abgedeckt sein und das Angebot soll möglichst inklusiv allen Menschen das Bezahlen ermöglichen. Hinzu kommt ein Aspekt, der im öffentlichen Sektor stärker wiegt als anderswo: Nachhaltigkeit. Öffentliche Einrichtungen sind dazu angehalten, sich an den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen zu orientieren. Diese Ziele sind nicht nur Leitplanken für gesellschaftliche Stabilität, sondern wirken bis in den Zahlungsverkehr hinein. Nachhaltigkeit im Bezahlen bedeutet, zukunftsorientierte Lösungen zu wählen, die Ressourcenschonung und Werteorientierung gleichermaßen berücksichtigen. Ein zentraler Aspekt ist dabei die Transparenz: Nutzende sollten die Kontrolle über ihre Daten behalten. Sie sollten auf den Schutz vor unbefugtem Zugriff – beispielsweise durch fremde Behörden oder privatwirtschaftliche Dritte – vertrauen können sowie darauf, dass Datensicherheit durch die engmaschigen gesetzlichen Regelwerke der EU gewährleistet ist.

Diese gesetzlichen Vorgaben, wie beispielsweise die PSD2 (Verbraucherschutz) oder die DSGVO (Datenschutz), dürfen nicht nur formell erfüllt, sondern sollten vielmehr ganzheitlich gedacht werden. Gerade das Thema Datenschutz wird häufig als Argument genutzt, um neue Vorhaben nicht umzusetzen, anstatt gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Dort, wo es noch keine passenden Produkte am Markt gibt, können diese mit geeigneten Partnern und unter Einhaltung der regulatorischen Anforderungen als integraler Bestandteil neugestaltet werden. Im aktuellen geopolitischen Umfeld stellt sich zudem die Frage, ob die eingesetzten Verfahren den eigenen Wertmaßstäben entsprechen und Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern vermieden werden können. Wallet-Lösungen und Kreditkartensysteme sind zwar etabliert, bergen aber das Risiko einer einseitigen Bindung an internationale Konzerne. Während Händler aus geschäftlichen Gründen damit leben können (oder müssen), hat die öffentliche Hand die ordnungspolitische Verantwortung, die Souveränität über die Prozessabwicklung vor dem Hintergrund zukünftiger Konfliktpotentiale zu bewahren und native europäische Lösungen zumindest als Fallback-Option vorzuhalten.

Europäische Lösungen nutzen

Der Souverän hat es in der Hand, den Zahlungsverkehr aktiv transparent, nachhaltig und unabhängig zu gestalten. Mit der bestehenden und sich derzeit rasant weiterentwickelnden europäischen Zahlungsverkehrsinfrastruktur stehen die notwendigen Mittel dafür bereit. Mit europäischen Verfahren wie SEPA (das insbesondere in Verbindung mit der aktuellen Instant-Payments-Umsetzung als mögliche Basis für Account-to-Account-Zahlungen genutzt werden kann) oder Initiativen wie WERO gibt es leistungsfähige Alternativen zu internationalen Wallets und Kreditkartensystemen. Ihre Einbindung eröffnet nicht nur die Chance, Abhängigkeiten zu verringern, sondern auch den Bezahlmix deutlich breiter und inklusiver aufzustellen und damit weitere Bevölkerungsgruppen besser zu erreichen.

Darüber hinaus ermöglicht ein solcher Ansatz, den Zahlungsverkehr langfristig zukunftssicher zu gestalten. Einzelne Leuchtturmprojekte können als Impulsgeber wirken und der voranschreitenden Digitalisierung der öffentlichen Stellen Ausdruck verleihen. Dadurch geht die öffentliche Verwaltung bei den Bezahlangeboten selbst voran und setzt Maßstäbe, an denen sich andere Akteure, wie beispielsweise der Handel, orientieren können. Zeitgleich wird aufstrebenden und neu in den Markt eintretenden Zahlverfahren durch die initiale staatliche Unterstützung Antrieb verliehen, wodurch die Markteintrittshürden sinken. Der Bezahlvorgang bleibt somit nicht weiter nur Mittel zum Zweck, sondern kann zu einem sichtbaren Symbol für Fortschritt, Transparenz und gesellschaftliche Verantwortung werden.

Wer hätte gedacht, dass zwischen Bürgerportal und Behördenschalter so viel Payment-Potenzial steckt? Wir schon. Denn Payment ist mehr als nur Check-out-Optimierung – es spielt eine zentrale Rolle, sobald Menschen mit einem Dienstleistungspunkt in Kontakt treten. Und genau darüber wollen wir auch 2026 wieder mit euch sprechen.

Nach dem großen Erfolg im letzten Jahr geht die Hamburg Payment Expedition by Gravning in die zweite Runde: am 16. und 17. September 2026. Seid dabei, wir freuen uns auf euch!

https://payment-expedition.de/

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