Von finanzieller Bildung über Wero und den digitalen Euro bis zu unsichtbaren Zahlungen und IoT im internationalen Handel: Bei der Hamburg Payment Expedition 2026 by Gravning wurde deutlich, wie eng Kundenerlebnis, Wirtschaftlichkeit, Vertrauen und Infrastruktur im Zahlungsverkehr zusammenhängen. 

Am 17. September 2026 brachte die Hamburg Payment Expedition Vertreterinnen und Vertreter aus Banken, Handel, Zahlungswirtschaft und Technologie zum zweiten Mal in Hamburg zusammen. Die Gespräche kreisten um eine zentrale Frage: Wie kann Payment für alle Marktteilnehmer einfacher und schneller werden, ohne Sicherheit, Transparenz und Akzeptanz aus dem Blick zu verlieren? 

Im Verlauf der Veranstaltung zog sich eine gemeinsame Perspektive durch die Gespräche: Payment ist mehr als ein technischer Prozess. Es ist eine wichtige Infrastruktur für Handel und Finanzstandort und zugleich ein Bereich, dessen Komplexität für Kundinnen und Kunden möglichst unsichtbar bleiben soll. Zur Eröffnung begrüßten die Moderatorin Paula Deusing, Jan Bringezu von Gravning und Aynur Colpan von Finance City Hamburg die Teilnehmenden. 

Balken CD Gravning

Gute Zahlung beginnt mit guter Orientierung und finanzieller Sensibilisierung 

Dr. Jean-Marie Schwarzkopf lenkte nach der Einführung den Blick auf finanzielle Bildung und die Zahlungsgewohnheiten junger Menschen. Digitale Bezahlangebote und „Buy now, pay later“ machen den Kauf einfach; gerade deshalb wird es wichtiger, Kosten, Zahlungsfristen und mögliche Folgen zu verstehen. Sein Appell: Digitale Bequemlichkeit und Finanzkompetenz müssen gemeinsam wachsen. 

Handel und Banken: andere Aufgaben, gemeinsame Erwartungen 

Im anschließenden Panel zu Payment-Herausforderungen aus Sicht des Handels diskutierten Laura Treude (DOUGLAS), André Trimpop (KNISTR) und Oliver Behrens (Deutsche Tamoil GmbH), moderiert von Christian von Hammel-Bonten. Die Perspektiven reichten von Betrugsprävention und Retouren bis zu mobilen Zahlungen an der Zapfsäule und der Verbindung von Payment, Loyalty und Einkaufserlebnis. Deutlich wurde: Neue Zahlverfahren müssen sich an konkreten Kundenbedürfnissen und einem tragfähigen Business Case messen lassen. Zugleich verschiebt sich Betrug zunehmend in Bereiche wie Fake-Shops, Retouren und Loyalty-Programme. 

Im darauffolgenden Panel richtete sich der Blick auf die Perspektive der Banken: Antje Beckert (UniCredit), Niels Pirck (VReG) und Markus Petzold (DKB) diskutierten, moderiert von Patrick Fiebranz (Gravning), aktuelle Entwicklungen im Zahlungsverkehr. Im Mittelpunkt standen Echtzeitüberweisungen, die Empfängerüberprüfung (VoP), Wero sowie der digitale Euro. Die Institute bereiten sich auf neue Anforderungen vor, bewerten dabei jedoch unterschiedliche Wege und Zeitpläne. Für die Kundschaft bleiben grundlegende Erwartungen entscheidend: Zahlungen sollen zuverlässig funktionieren, schnell ankommen und verständlich sein. Auch die Resilienz grenzüberschreitender Zahlungswege wurde als zentrale Aufgabe deutlich. Ein reibungsloser Zahlungsvorgang, egal ob national oder international, ist im Interesse aller Beteiligten. 

Grenzüberschreitend zahlen: mehr Tempo, aber noch einige offene Fragen 

Unter dem Titel „Beyond Euro“ diskutierten Manuel Sandhofer (Wise), Christopher Hollfelder (BayernLB) und Peter Großkopf (AllUnity), zusammen mit dem Moderator Jan Bringezu (Gravning), über internationale Zahlungen und neue Infrastrukturen, über die diese zukünftig abgewickelt werden könnten. Korrespondenzbanking, eigene Netzwerke und Stablecoins stehen dabei nicht nur für unterschiedliche Technologien, sondern auch für unterschiedliche Ansätze, Kosten zu senken und Geschwindigkeit und Transparenz für die Kunden und Banken zu erhöhen. Auch künstliche Intelligenz könnte künftig dabei helfen, je nach Auftrag, geeignete Zahlungswege auszuwählen. Agentische Zahlungen, die ohne aktives Mitwirken eines Menschen ausgelöst oder gesteuert werden, werfen zugleich neue Fragen rund um Mandat, Kontrolle und Sicherheit auf. 

Keine Zahlung ohne Rahmenwerke: Entsprechend wurde auch die Regulierung aus mehreren Blickwinkeln betrachtet. Christian Fink (euro-V), Jonas Groß (Digital Euro Association / etonec) und Theodor Tetzlaff (Finion Capital), moderiert von Dominique Wilckens (Gravning), diskutierten, wann Regeln Innovation ermöglichen – etwa indem sie gemeinsame Standards schaffen – und wann zusätzliche Komplexität sie ausbremst. Besonders kleinere Unternehmen benötigen verlässliche, verständliche und möglichst einheitlich ausgelegte Vorgaben. 

Was kostet Payment heute und ist es seinen Preis wert?  

Diese Frage beleuchtete das Panel „Cost of Payments“ und machte deutlich: Die Kosten einer Zahlungsart enden nicht mit der Transaktionsgebühr. Unter Moderation von Oliver Behrens stellten Oliver Gienow (UniCredit), Sascha Wuttke (Gustav Ramelow GmbH & Co. KG) und Jens Loos (Visa) neben Gebühren auch die Aufwände für Bargeld, Buchhaltung, Support, Fehlerfälle und Ausfälle gegenüber. Für Händler zählt die gesamte Prozesskette. 

Diskutiert wurde außerdem, wie sich Girocard, internationale Debit- und Kreditkarten sowie Co-Badges hinsichtlich Kosten und Nutzen unterscheiden. Karten mit internationaler und digitaler Akzeptanz können zusätzliche Einsatzmöglichkeiten eröffnen; zugleich bleiben Kosten und Akzeptanz im stationären Handel wichtige Kriterien. Ein belastbarer Vergleich braucht deshalb mehr als einen Blick auf einzelne Gebühren: Er muss auch Services, Infrastruktur und den konkreten Nutzen für Händler und Kundschaft einbeziehen.

Unsichtbar ist nicht gleich unkontrollierbar   

Im von Clas Beese (Freier Journalist) moderierten Panel „Payment invisible – integration, automation, seamlessness“ diskutierten Jörg Abrolat (Solaris), Sabrina Flunkert (Ratepay), Jonas Tiedgen (OTTO Payments) und Oliver Hommel (EURO Kartensysteme GmbH). Ein reibungsloser Bezahlvorgang ist für viele Kundinnen und Kunden attraktiv. Doch je stärker Payment in den Hintergrund rückt, etwa im automatisierten oder agentischen Handel, desto wichtiger werden Vertrauen, Kontrolle und klare Zuständigkeiten. 

Auch Variable Recurring Payments (VRP) wurden in die Payment-Landschaft eingeordnet. Im klassischen Checkout sehen die Panelist:innen derzeit nur begrenzte Anwendungsfälle; interessanter könnte das Modell unter anderem für B2B-Anwendungen und Marktplätze sein. Die Diskussion zeigte damit: Nicht jede technisch mögliche Zahlungsform wird automatisch zum Massenprodukt. Entscheidend ist, ob sie ein echtes Problem besser löst als bestehende Verfahren. 

Die Frage nach dem Kundenerlebnis stand auch im Panel zu Payment und Kundenbindung im Zentrum. Jessica Hermanns (SIGNAL IDUNA) und Arndt Franzen (BAWAG PSK international), moderiert von Maurice Rabba (Gravning), ordneten Payment als Teil einer größeren Customer Journey ein. Ein einfacher, sicherer und verlässlicher Bezahlvorgang schafft nicht zwangsläufig aktive Kundenbindung, ein Fehler oder eine unnötige Hürde kann Vertrauen jedoch schnell beschädigen. Besonders in sensiblen Situationen, etwa bei einer Auszahlung oder einer offenen Forderung, wird ein gut gestalteter Zahlungsprozess zum wichtigen Kontaktpunkt. 

Wero und Track and Pay: Akzeptanz und neue Anwendungsfälle    

Beim Gespräch „Quo vadis, Wero?“ gaben Chris Scheuermann (EPI) und Kilian Thalhammer (Deutsche Bank), moderiert von Niklas Simon (Gravning), Einblicke in den Aufbau der europäischen Zahlungslösung. Neben der technischen Anbindung ging es um die entscheidenden Voraussetzungen für den Alltag: eine breite Abdeckung auf Banken- und Händlerseite, eine einfache Aktivierung und ein klarer Nutzen für Kundinnen und Kunden. Die Diskussion machte deutlich, dass der Ausbau von Akzeptanz und Nutzung Zeit braucht, gerade in einem fragmentierten Markt. 

Zum Abschluss zeigte Jörg Hörster (TNP Global Trade) wie „Track and Pay“ internationale Handelszahlungen verändern könnte. IoT-Tracker erfassen dabei Standort- und Zustandsdaten einer Sendung. Werden zuvor vereinbarte Bedingungen erfüllt, kann daraufhin die Zahlung ausgelöst werden. Das vorgestellte Modell soll eine Alternative zum dokumentenbasierten Akkreditiv bieten. Zum Zeitpunkt des Vortrags war ein operativer Start nach einer Pilotphase für Januar 2027 geplant. 

Payment ist Teamarbeit     

Die Hamburg Payment Expedition by Gravning machte sichtbar, dass es keine einzelne Technologie gibt, die alle Herausforderungen löst. Zukunftsfähige Zahlungen entstehen dort, wo Akzeptanz, Sicherheit, Kosten und Nutzerfreundlichkeit zusammenpassen. Und wo Banken, Händler, Zahlungsdienstleister, Technologieanbieter und Regulatoren gemeinsam an den Übergängen arbeiten. 

Die nächste Hamburg Payment Expedition findet am 8. und 9. September 2027 statt. Bis dahin bleibt die wichtigste Aufgabe, aus neuen Möglichkeiten Lösungen zu schaffen, die im Alltag tatsächlich funktionieren. 

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